Der Mensch auf einem Chip?

Von Jan Lohmann

Viele von uns nehmen täglich Medikamente, aufgrund einer chronischen Krankheit ein. Oft benutzen wir diverse Kosmetika von Lotionen bis hin zu Make-up. Doch all diese Produkte werden nicht einfach entwickelt und dann direkt auf den Markt gebracht. Es wird vorerst getestet und das meist an Tieren. Labortiere wie Ratten, Mäuse oder auch Kaninchen.

Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=CpkXmtJOH84

Forscher sind nun auf besten Wege Tierversuche so gut wie überflüssig zu machen. Der so genannte “Human on a Chip” soll das menschliche Organsystem nachbilden, um so an ihm Tests durchführen zu können. Zellen von Lunge, Niere oder auch Leber sollen auf Bio-Chips bzw. Multi-Organ-Chips durch eine Art künstlichen Blutkreislauf miteinander verbunden werden und so den menschlichen Organismus nachempfinden. In Zukunft sollen so ca. 80% der Tierversuche überflüssig werden. Die Meinungen der Kritiker gehen weit auseinander. Handelt es sich bloß um ein extrem vereinfachtes Modell des Menschen? Oder haben wir es bereits mit einer lebenden Nachbildung des Menschen, also einem Lebewesen zu tun? Aus moralischer Sicht stecken die Wissenschaftler in einer Zwickmühle.

Das Team der Berliner TissUse GmbH arbeitet intensiv daran so viele Organe wie möglich auf einem Modell miteinander zu kombinieren. Inzwischen ist es ihnen möglich bis zu vier verschieden Organe auf einen Chip zu bringen.

„Bei Stoffen, die an Tieren getestet wurden, kann man nur eingeschränkt verlässliche Aussagen über ihre Wirkung beim Menschen treffen.“

Reyk Horland, Leiter der Geschäftsentwicklung bei der TissUse GmbH

Ein Ziel für die Zukunft ist bei TissUse die Entwicklung von personalisierten Chips für jeden Patienten. Denn nicht jedes Medikament wirkt bei jedem Menschen gleich. Besonders interessant wird es bei der gemeinsamen Einnahme verschiedener Medikamente. Unerwünschte Nebenwirkungen und Wechselwirkungen könnten so bereits im Labor getestet und beim Patienten vermieden werden.

Sogar Nervenzellen können bereits auf den Biochips eingesetzt werden. Einen echten Menschen könne man nach Horland jedoch nicht damit nachbauen. Bei Patienten mit Demenz könne so nur z.B der Rückgang von Plaques im Gehirn getestet werden.

Horland erläutert aber: „Wir können jedoch nicht messen, ob dadurch auch die kognitiven Fähigkeiten des Patienten zurückkehren. Der Human-on-a-Chip wird niemals denken und fühlen können.“

Nicht nur aus ethischer Sicht wäre die Abkehr von Tierversuchen zu unterstützen, auch reagieren Menschen oft ganz anders auf bestimmte Substanzen. Aspirin z.B führt bei Ratten zu starken Reizungen, kann Missbildungen hervorrufen oder in hohen Dosen zum Tod führen.

Dennoch ist es ein langer Weg, bis komplett auf Tierversuche verzichtet werden kann. Vor allem in der Grundlagenforschung ist dies noch unabdingbar.

Was sagt ihr zu diesen Alternativen-Methoden? Ein Plädoyer für den Tierschutz? Oder eine riskante Illusion?

 

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