Bundeswehr 2.0 – das Update

Von Jan Lohmann

Ein neuer Ort gilt jetzt als Kriegsgebiet: das Internet. Eigentlich denkt man bei dem Wort „Krieg“ eher an Länder wie Afghanistan, Syrien oder Mali. Doch das Internet wird ebenfalls zu einer großen Gefahrenzone. 200.000 Computer müssen vor mutwilligen Hackerangriffen geschützt werden. Schlagwort: hybride Kriegsführung. Da das Internet mittlerweile das wichtigste Kommunikationsmittel ist, müssen die Kompetenzen des Militärs auch daran angepasst werden. Dabei soll die Bundeswehr auch Befugnisse haben, die von Sicherheitsorganisationen heftig kritisiert werden.

Aus diesem Grund will die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen eine besondere Einheit zum Einsatz bringen: das CERT (Computer Emergency Response Team). Das neue Kommando “Cyber- und Informationsraum” (CIR) soll auf einer Ebene mit der Marine, dem Heer und der Luftwaffe stehen. 300 Spitzenoffiziere werden rund 14.000 Soldaten befehligen. Bis 2021 soll die Erstbefähigung dieses neuen Bereiches abgeschlossen sein, der zusammen mit dem Innenministerium an einer gemeinsamen Sicherheitsstrategie der Bundeswehr arbeiten soll. Bisher zählt die Bundeswehr jedoch nur ca. 40 IT-Fachleute. Dementsprechend steht der Aufbau der Einheit erst am Anfang. In einem Interview mit der WIRED erklärte der Beauftragte für Strategische Rüstung im Bundesverteidigungsministerium Gundbert Scherf, dass es dabei allerdings nicht bleiben soll. “Es geht darum, der Bundeswehr eine IT-Architektur zu verpassen, die ihrer Größe und Organisation angemessen ist.”

IT-Security-Experten hatten das Vorhaben der Ministerin bereits im Vorfeld kritisiert. Besonders die neuen offensiven Fähigkeiten seien eine Gefahr für die Sicherheit im Netz. Denn nun fragt sich, inwieweit die Bundeswehr in private Netzwerke eingreifen darf. Zudem überschneiden sich die Tätigkeitsfelder der Bundeswehr mit denen des Bundesamts für Sicherheit und Informationstechnik (BSI). Die Bundeswehr bereitet nämlich selbst auch Cyberattacken vor. Scherf erklärt das so: ”Wir haben dieselbe Rolle, die die Bundeswehr immer hatte: Verteidigung, Abschreckung, Vorbereitung.” Dennoch wird es nicht nur die Verteidigung geben, sondern auch eine aktive offensive Seite dieser Abteilung.

Und genau hier liegt die Gefahr. Die Frage ist nämlich welche Befugnisse wird diese Cyber Security Abteilung haben und wie können diese reguliert werden ? Kritisch ist auch, dass es im Netz keine Staatsgrenzen gibt, an denen der Einsatz eines Landes aufhört oder beginnt. Im Juli trifft sich die NATO zu einem Gipfel in Warschau, um diese Themen zu diskutieren.

Auch soll darin der virtuelle Raum als offizieller militärischer Operationsraum erklärt werden. Wir sind gespannt, was bei diesem Gipfel alles besprochen wird und was am Ende wirklich dabei rauskommt.

Was sagt ihr zu der Verschmelzung von Cyber-Security und Militär ? Sinnvoll oder lieber doch getrennt ? Gut für unsere Sicherheit oder eine Gefahr für den Datenschutz und somit auch uns ?

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5 Kommentare

  1. Interessanter Ansatz. Natürlich birgt er ein Risiko, aber das gibt es denke ich immer wenn Menschen beteiligt sind. Und was die Sicherheit angeht muss ja was passieren. Solange es keine Lösung gibt, die ohne Menschen auskommt und auch nicht durch Menschen manipulierbar ist, fürchte ich, müssen wir uns damit abfinden, dass Menschen den Job machen müssen..

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    1. Das ist absolut richtig. Ich denke, die Schwierigkeit besteht in der Gradwanderung zwischen Freiheit und Sicherheit. Beide Faktoren stehen nämlich in Konkurrenz zueinander. Wie würdest du vorgehen? Sicherheit vor Freiheit oder andersrum?

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      1. Eine gute Frage, die zufriedenstellend zu beantworten ich gar nicht in der Lage bin. Natürlich seh ich das nicht schwaz/weiß, irgendwo muss man einen Kompromiss eingehen. Der je nach Werteverhältnis der Person, die einen Kompromiss zu schließen hat, in seiner Größe ganz individuell ausfällt. Ganz allgemein kann ich nur eine Tendenz abgeben, die in Richtunz der Freiheit geht..😅

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      2. Das würde ich vermutlich auch tun. Freiheit ist besonders in einer modernen aufklärerischen Gesellschaft eine entscheidende Größe. Mal sehen, ob die Bundeswehr das genau so sieht…

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      3. Einigkeit und Recht und Sicherheit… 😉

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