Kann man Internet lernen?

Von Jan Lohmann

Im Duden steht, dass Medienkompetenz “die Fähigkeit einer Person, Medien sinnvoll zu nutzen” ist. Doch ganz ehrlich was ist eigentlich wirklich sinnvoll? Stundenlang in Endlosschleife “Fail-Compilations” auf YouTube zu schauen ist bestimmt keine sinnvolle Nutzung, Spaß macht es aber trotzdem. Was hier mit “sinnvoll” gemeint ist, ist mehr der Beweggrund, warum jemand etwas tut und sich auch über dessen bewusst ist. Andererseits bedeutet Medienkompetenz noch soviel mehr. Mechanismen zu verstehen. Wie Medien arbeiten, wie Medien mit uns arbeiten. Und seit dem World Wide Web (WWW) natürlich auch, wie diverse Medien bzw. Angebote zu bedienen sind (ein besonders schwieriger Fall: Snapchat). Klar ist natürlich, dass man, obwohl man Snapchat nicht versteht, auch durchaus kompetent sein kann.

Quelle: http://www.brigitta-kemner.com/wp-content/uploads/2014/11/digitaler-stress.jpg

Durch die Digitalisierung wird auch etwas anderes immer klarer: nicht das Alter macht Generationen. Medien machen Generationen. Man gehört der Generation der Menschen an, die die gleichen Medien konsumieren. Dieses Phänomen des “Digital Divide” lässt sich gut an Beispielen klar machen. Mittlerweile sind wir fast alle bei WhatsApp und Facebook. Wir schreiben, teilen und liken. Bei den heutigen Teenagern und auch jungen Erwachsenen ist Facebook schon länger nicht mehr das wichtigste Social Network im Freundeskreis. Auf Snapchat und Instagram wird um einiges mehr interagiert. Das bedeutet wiederum, dass Teenager virale Videos auf Facebook z.B. gar nicht mitbekommen und sich in einem ganz anderen virtuellen Umfeld bewegen. Sie tauschen sich also auch über ganz andere Dinge aus. Rentner, die vielleicht “nur” TV, Radio und Print konsumieren, sind durch ihre Medienwahl ganz ausgeschlossen.

„Nicht die Medien sind Schuld, dass wir uns immer mehr unter Druck setzen, sondern wir selbst, weil wir es zulassen.“

Autor unbekannt

Dieser ganze Prozess verändert nun auch die Richtung in der Medienkompetenz gelehrt werden muss. Erwachsene können ihren Kindern schlecht etwas über Snapchat und die Gefahren des “Sharing” erzählen, wenn sie selbst gar keine Erfahrung damit sammeln konnten oder nur vom Hören-Sagen diese Anwendung kennen. Dies soll aber auf keinen Fall bedeuten, dass sich alle Eltern plötzlich bei Snapchat anmelden und ihren Kindern verrückte Selfies schicken sollen. Jugendliche brauchen ihre, auch digitalen, Rückzugsräume, wo sie unter Gleichaltrigen sind und nicht jemand die ganze Zeit über die Schulter guckt.

Ein interessanter Beitrag dazu von Johnny Haeusler:
https://www.wired.de/collection/columns/warum-sich-johnny-haeusler-keine-sorgen-um-die-social-media-kompetenz-junger

Eltern stehen hier auch nicht alleine in der Verantwortung, vor allem Schulen könnten eine Menge bewirken. Die Idee eines Pflichtkurses zu “Digitalkunde” ist ja schon des öfteren aufgekommen, doch muss diese auch umgesetzt werden. Privatsphäre und Datenschutz sind Inhalte, die Kindern schon früh mitgegeben werden sollten und ein fester Bestandteil des Lehrplans werden müssen.

Viele Eltern reagieren mit einem “Online-Verbot” auf die Macht des WWW. Aber ist das die richtige Methode? Möglicherweise wird durch das Verbot sogar ein bewusster Reiz bei den Kindern geschürt. Das Internet wird zu etwas ganz besonderem gemacht. Passt das noch zu unserer digitalen Zeit? Sollte das Internet etwas ganz besonders sein? Eher nicht – mittlerweile gehört es zu unserem Alltag dazu. Die Frage lautet also nicht “Wie oft bin ich im Web?”, sondern “Wie verhalte ich mich im Web?”. Hier geht es vor allem um moralische Fragen. Denn der Deckmantel der Anonymität führt oft zu Hass und Beleidigungen im Web. Wir verlieren unseren Anstand und die persönlichen Hemmungen.

Desweiteren müssen viele Nutzer lernen, mit dem durch Medien verursachten Druck flexibler umzugehen. Viele Menschen fühlen sich durch die digitalisierte Welt gestresst, weil sie der Vielfalt des Angebots nicht mehr gerecht werden. Also gilt es vor allem an sich selbst zu arbeiten. Wir sollten uns mit den verschiedenen Funktionen eines jeden Mediums vertraut machen und uns darüber bewusst sein, was genau mit unseren Daten passiert. Dabei tragen Unternehmen wie Google oder Facebook eine riesige Verantwortung, denn es fehlt vor allem an Transparenz. Erst, wenn wir transparent durchblicken, wie die großen Medienkonzerne funktionieren, können wir unsere eigenen Kompetenzen verbessern.

 

 

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8 Kommentare

  1. Ist die Sinnhaftigkeit einer Aktion nicht davon abhängig, was man sich davon erhofft? Wenn man Spaß haben will, ist es doch durchaus sinnvoll, was zu gucken was man lustig findet – meinetwegen Fail Compilations – auch mehrere Stunden am Stück, oder nicht? ^^

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    1. Ja da hast du absolut recht. Die Frage müsste also lauten: „Tue ich das, was ich tue bewusst?“
      Aber wie siehst du das bei Kindern im Grundschulalter?

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      1. Interessante Frage. Ich weiß nicht, wie weit Kinder das kontrollieren können. Sicher sind sie nur auf Spaß aus und folglich auf diversen Spieleseiten oder auf YouTube unterwegs. Gucken dort bestimmt Minecraft-Videos. Aber Kinder sind noch so leicht in ihrem (Konsum-)Verhalten beeinflussbar, dass ich als Vater dort vermutlich ein Auge drauf hätte.

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      2. Und sowas wie Datenschutz ist in dem Alter ja auch noch ein absolutes Fremdwort – und dennoch ein wichtiger Punkt. Zufälligerweise habe ich dazu was geschrieben, wird um 17 Uhr freigeschaltet. Dazu würde mich wiederum deine Meinung interessieren 😉

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      3. Das stimmt! Besonders in Schulen könnte dieser Aspekt eine immer größer werdende Rolle spielen. Auf deinen Beitrag bin ich sehr gespannt! Könntest du ihn eben hier verlinken? 🙂

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      4. Gefällt mir sehr gut! Auch alle anderen sollten da einmal reingucken! 🙂

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      5. Danke! 🙂

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