Die Höhlenmenschen der Gegenwart

Von Sven Wiesrecker

Welche Medien haltet Ihr für glaubwürdig, welche nicht? Und warum?

Seid Ihr der Meinung, dass die Journalisten ihrer schweren Aufgabe noch gerecht werden? Kennt Ihr Beispiele für guten und schlechten Journalismus?

Drei Menschen sitzen angekettet in einer Höhle. Seit ihrer Geburt liegen sie in Ketten und blicken auf eine Felswand. Hinter ihnen befindet sich ein Feuer, davor einige Gegenstände. Die Schatten der Gegenstände werden an die Höhlenwand projiziert. Das ist die Realität – die Höhlenmenschen kennen seit ihrer Geburt nur die Schattenbilder, nicht die echten Gegenstände. Sie halten die Abbilder für die Realität. Eines Tages kommt einer der Männer auf die Idee, sich aus seinen Ketten zu befreien. Er befreit sich mit Mühe und Kraft – er leidet. Aber er schafft es. Den schweren Weg aus der Höhle heraus nimmt er zu allem Übel auf sich. Als der zum ersten Mal an der Erdoberfläche angelangt sieht er: Nichts. Er ist wie blind, weil seine Augen nicht das Licht, die Farben und die Wärme kennen. Doch nach nur wenigen Tagen gewöhnen sich seine Augen an das Licht. Die Welt ist hier oben so viel anders, so viel schöner und besser. In der Höhle sitzen noch zwei andere. Auch sie sollen die Wirklichkeit sehen. Als er schweren Herzens zurück in die Höhle geht um seine Mitmenschen aus ihren Fesseln zu befreien, wird er schwer enttäuscht. Sie lachen ihn aus, spotten und albern herum. „Der ist doch verrückt, nicht mehr bei Verstand!“, schimpfen die anderen Männer. Er bleibt für immer allein.

Quelle: http://www.ulo-comics.de/allerlei/up/load/Hoehlengleichnis%20ULO_1352192700.jpg

Diese Geschichte habe ich nicht selbst erfunden. Platons Höhlengleichnis ist eine der ältesten Geschichten, die wir kennen. Das gilt besonders für die Philosophie. Aber was hat dieses Gleichnis mit Medien zu tun? Auf den ersten Blick: sehr viel sogar! In der Geschichte geht es um einen Mann, der sich aus seinen Fesseln befreit, die Höhle zum ersten Mal verlässt und etwas Erstaunliches feststellt: seine Vorstellung von Realität war vollkommen verzerrt. Er sah bloß Abbilder. Auch wir sind Höhlenmenschen. Warum? Auch wir sitzen auf dem Sofa und glotzen auf den flimmernden Fernseher oder Bildschirm. Auch wir liegen oft in Fesseln – in den verführerischen Fesseln der Bequemlichkeit. Wir lassen uns gerne „berieseln“. Das gemütliche Wohnzimmer verlassen? Das Haus verlassen und sich selbst ein Bild von der Realität machen? Nein, wir lieben die Bequemlichkeit.

In der heutigen Zeit haben die Medien eine besondere Verantwortung: sie haben mehr Macht als je zuvor. Wir können (sie) nicht mehr abschalten. Ein Plakat in der Straße auf dem Weg zur Arbeit, während das Radio läuft, auf dem Smartphone habe ich zwei, drei neue Whatsapp Nachrichten und eine Push-Mitteilung von Spiegel Online. Medien sind überall. Abbilder sind überall. Fesseln sind überall. Für Journalisten bedeutet dies vor allem eines: Journalismus hat Macht, hat Verantwortung für all die Menschen da draußen. Kurz: Journalismus heißt Aufklärung. Zu oft sehen wir nur Ausschnitte, Abbilder, Verzerrungen. Wo ist aber die Wirklichkeit? Können wir den Medien immer Glauben schenken? In einer Welt mit Sensationsgeilheit und bröckelnder Qualität im Journalismus? Nein, nicht immer. Der Leser ist nicht länger Leser. Er wird selbst Journalist, indem er kommentiert, bewertet und teilt – das Stichwort lautet: Soziale Netzwerke. Aufklärung ist die Aufgabe des Journalisten – und des Lesers!

Bitte kommentiert und bewertet! Ich freue mich auf eure Kommentare und Beiträge zu diesem Thema. Die Fragen in der Einleitung sollen Anhaltspunkte zur Diskussion sein!

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46 Kommentare

  1. Ich muss dir widersprechen. Wir können Medien abschalten.

    Ich halte kaum mehr etwas für glaubwürdig. Gar nicht glaubwürdig sind mir TV, Radio, und alle Printmedien. Alle ohne Ausnahme, deshalb konsumiere ich sie nicht. Eher glaubwürdig – wobei ebenfalls mit Vorsicht zu betrachten – sind diverse Seiten im Internet. Dabei suche ich aber auch nicht die „eine Wahrheit“ auf einer bestimmten Seite, denn die gibt es nicht, sondern ich suche auf unterschiedlichsten Seiten unterschiedlichster Machart, so zb. auch russische Seiten. Die Wahrheit zu einem bestimmten Thema liegt dann irgendwo dazwischen, bzw. die wahre Information.

    Von Journalisten halte ich gar nichts. Das sind nur Bezahlschreiber. Die schreiben alles, hauptsache, sie kriegen dafür Geld. Solche Leute verachte ich.

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    1. Medien kann man abschalten? Ein Plakat an der Hauswand. Eine Push-Mitteilung auf dem Smartphone. Und die Allgegenwärtigkeit sozialer Netzwerke. Wer Medien ausschalten will, der müsste seine Sinne ausschalten. Und das hat bisher noch keiner geschafft. Die sozialen Netzwerke lassen Kommentare und Meinungen von JEDEM zu. Der professionelle Journalismus, den Sie sich wünschen, werden sie unter den vielen Kleinkommentaren nicht mehr finden. Denn dort kann jeder schreiben was und wie er will. Journalisten müssen ihr Image neu aufbauen, das stimmt! Sie zu verachten, wird jedoch dir Fronten verschärfen. Und das Land entzwei teilen.

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      1. Ich habe kein smartphone und werde auch nie eines haben. Man ist nicht gezwungen, in „sozialen“ Netzwerken mit zu machen. Außerdem stimmt es nicht, nicht jeder darf in „sozialen“ Netzwerken schreiben; die Zensur zb. auf facebook ist bekannt, dürfte auch Ihnen bekannt sein. Die Menschen werden aber auch auf anderen Netzwerken nur aufgrund ihrer Meinungsäußerung strafrechtlich verfolgt. So handelt keine Demokratie.
        Meine Sinne schärfe ich woanders, nicht über das, was Sie „Medien“ nennen. Und Journalisten sind für mich verabscheuungswürdig. Ich fürchte, wir kommen da niemals auf eine Meinung, und angesichts Ihrer Äußerung, die „sozialen“ Netzwerke lassen Äußerungen von jedem zu, denke ich auch, dass IHre und meine Wahrnehmung der Dinge zu verschieden ist, um die Dieskussion hier noch sinnvoll weiter zu führen. Sie nehmen ja nicht mal Zensur wahr. So wird das nichts. Adios!

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      2. Danke für den Beitrag! Es scheint tatsächlich so zu sein, dass unsere Meinungen zu stark auseinander driften. Ich möchte Ihnen dennoch eines mit auf den Weg geben: Wer unzufrieden mit den Leistungen der Medien ist, sollte Kritik üben. Das tun Sie! Aber, wer Kritik übt, der sollte auch stets offen für einen offenen Dialog sein. Und das tun Sie leider nicht…

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      3. Man könnte jetzt darüber diskutieren, ob es Sinn macht, mit Menschen zu diskutieren, die allen Ernstes behaupten, unsere Medien wären frei und unabhängig, so in etwa geht ja Ihre Meinung, was Sie dadurch zum Ausdruck gebracht haben, dass Sie behaupten, jeder könne auf Facebook seine Meinung posten. Also irgend etwas stimmt da nicht mit Ihrer Wahrnehmung. Wir haben in Deutschland eine politische Zensur, wir haben zensierte Bücher, wir haben politische Gefangene, Menschen, die im Knast sitzen, viele Jahre, weil sie eine verbotene Meinung haben. Dass Ihnen das unbekannt ist, kann ich nicht glauben. Ich sehe aber wirklich keinen Sinn, mit Menschen zu diskutieren, die solche Ungerechtigkeiten schlichtweg negieren.
        Eine Antwort auf diese meine Aussage fände ich noch ganz spannend, ob Sie nun wirklich negieren, dass es eine politische Zensur in Deutschland gibt, und dass auch die Medien durchzensiert sind. Wenn Sie allerdings nicht antworten – ich habe ja selbst einen blog….

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      4. Lieber Mitstreiter, hier muss mal dringend eines klargestellt werden:
        Wenn ich sage, auf Facebook kann jeder posten, was er will, dann meine ich damit:
        Natürlich werden viele Kommentare (weil sie aufgrund von Fremdenhass, Sexismus, Beleidigung etc. unzulässig sind) gelöscht. Dennoch kann dort jeder seinen Senf dazugeben – und der ist nicht immer politisch ganz korrekt oder? Deshalb wundert es mich, dass Sie gerade im Internet ihre Informationen finden, die Sie brauchen.
        Zweitens ist mir wichtig:
        Mit meiner Wahrnehmung ist alles in Ordnung, besorgen Sie sich da nicht! Ich setze mich nämlich gerade ernsthaft mit ihrer Meinung auseinander. Also blicke ich gerade über meinen Tellerand. Sie hingegen haben von Anfang an klargestellt: „Journalisten verabscheue ich.“
        Dass ich als Journalist dennoch mit Ihnen sachlich diskutiere, ist doch ein Zeichen des Dialogs.

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      5. Verdrehen Sie mir nicht das Wort im Mund, ich habe genügend Erfahrung, um begründet ALLE ZENSIERTEN MEDIEN abzulehnen. Was Sie wiederum leugnen. Sie leugnen hier die ganze Zeit, was vorgeht in den Medien, und schieben mir dann Unerfahrenheit und sonstwas in die Schuhe. Ihre Wahrnehmung stimmt nicht. Sie negieren Zensur und Meinungsunfreiheit und dass alle Medien in Deutschland von 5 oder so Verlagen/Sendern kommen, die darüber hinaus alle von gewissen Leuten zensiert werden.

        Sie können jetzt alleine weiter machen. Es ist sinnlos, mit Ihnen, da Sie dies alles negieren, zu diskutieren.

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      6. Ich wünsche noch einen besinnlichen Abend!

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  2. Für aufklärerischen Journalismus empfehle ich die NachDenkSeiten.

    Dort hat Journalismus noch eine denkerische, EIGENWILLIGE, hinterfragende und sozial- lebensnahe, mündigkeitsanimierende und köstlich polemische Qualität:
    http://www.nachdenkseiten.de

    Und für ökologische Themen empfehle ich das konzernunabhängige Greenpeace Magazin, wahlweise gedruckt oder digital:
    https://www.greenpeace-magazin.de/

    Und bei den „Mainstream“-Medien sollte man stets im Hinterköpfchen behalten, WEM die größten Medien GEHÖREN, wessen Interessen sie vertreten und welche Wirklichkeitsdeutung sie in die Köpfe pflanzen wollen.
    Dazu leistet der Kabarettist Volker Pispers amüsante Aufklärung:

    Oder um es mit Immanuel Kant zu sagen:

    „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“

    Mit mündigen Grüßen 🙂
    Ulrike von Leselebenszeichen

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    1. Vielen Dank für diesen tiefgehenden Beitrag! Wir werden uns deine Tipps definitiv zu Herzen nehmen. Besonders toll finde ich deine Verknüpfung zu Kants Ausspruch „Sapere Aude“. Denn genau das ist doch der ursprüngliche Grundgedanke des Qualitätsjournalismus. Aufklärung heißt die Devise! Hältst Du Journalismus denn noch für glaubwürdig? Und wo siehst Du Schwierigkeiten?
      Gerne kannst Du auch auf unserer Facebook Seite kommentieren: https://m.facebook.com/DigitalAnker-1123770287643690/?ref=bookmarks
      Über solch interessante Beiträge freuen wir uns sehr!!

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    2. Seitdem ich mich mal intensiver mit einigen brisanten Themen beschäftigt habe und viel Hintergrundinfos (z.B. diese aberwitzigen Studien von Seralini zu div. Themen) gelesen habe, hat Greenpeace & Co. extrem an Glaubwürdigkeit bei mir verloren.

      Greenpeace vermittelt auch nur einen medialen Ausschnitt in der viel komplexeren Wirklichkeit, um die Leser zu manipulieren, damit sie sich stärker engagieren oder (noch besser) wenigstens ordentliches Spendengeld rüberwachsen lassen.

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      1. Ein interessanter Aspekt, den du ansprichst. Man sollte auch bei Organisation , die sich noch so sozial darstellen zweimal hingucken. Schau dir mal bei unserem Bericht über die Big Brother Awards [https://digitalanker.com/2016/04/26/3/] den Abschnitt über die Petitionsplattform change.org an. Ihnen wird z.B. vorgeworfen die Nutzerdaten für kommerzielle Zwecke zu missbrauchen.

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  3. Wir leben nunmal in einer Informationsgesellschaft, was für mich heißt, dass jeder schnell und ohne Probleme an jegliche Info kommt. Dabei wird jedoch die Quelle viel zu selten hinterfragt. Medien funktionieren nach dem Prinzip der Quote. Also wird monothematisch berichtet und leider mit Bild- und Videomaterial viel zuviel Schmu betrieben. Letztendlich prasseln Infos auf uns ein, die zuviel an Menge und falsch gewichtet sind. Wenn man sich das immer wieder bewußt macht, kann man bestimmte Quellen selektieren, die man nutzen möchte. Bei mir gibt es keinen TV, kein Magazin oder Newsletter mit Push-Mitteilung. Man mag mir vorwerfen, dass ich mich nur für die kleine Welt um mich herum interessiere, jedoch ist das die einzige, die mich direkt betrifft und die ich ändern kann. Letzteres unterscheidet mich deshalb glücklicherweise von den allabendlichen Katastrophenglotzern, die sich ohnmächtig fühlen.
    Liebe Grüße

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    1. Ich finde es interessant, dass viele Menschen die Medieninformationen einfach so hinnehmen. Ihr Prinzip des Ausselektierens ist mit Sicherheit eher selten angewandt bei den meisten. Denn wir lassen uns gerne berieseln. Das meinte ich auch mit „Fesseln der Bequemlichkeit“.
      Eines interessiert mich sehr: Wie selektieren Sie genau aus? Gibt es da eine Art System?

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      1. Kein „richtiges“ System – Intuitiv. Wenn irgendwas nicht stimmig ist, hakt, mir ein grummeln verursacht und nicht passt. Ich glaube, dass der Mensch eigentlich sehr feine Antennen besitzt, nur verlernt hat, sie zu nutzen.

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      2. Kant würde dir jetzt mit Sicherheit Recht geben. Leider zweifle ich aber manchmal an unserer „autonomen“ Gesellschaft. Glaubst du nicht, dass es da eigentlich die Aufgabe der Medien ist, die Inhalte transparent zu machen?

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      3. Könnte schwierig werden, weil sämtliche Zusammenhänge mittlerweile sehr komplex sind. Vergleiche nur mal den Aufbau (Hardware) eines Fernsehers früher und heute. Vor 40 Jahren konnte den noch jeder mit ein bisschen Geschick nachbauen, heutzutage hat das Ding ne Verbindung zum Internet, es laufen Apps und Spiele drauf. Was da Wie funktioniert, begreifen nur noch Experten. Für den Käufer reichen jedoch ein paar wichtige technische Eckdaten, um zu wissen, ob das Ding seinen Bedürfnissen entspricht. Dabei hat er eine vage Vorstellung davon, wie das Ganze funktioniert. Es geht nicht darum, alles zu wissen oder an sämtliche Infos zu kommen. Sondern aus den relevanten Infos für die Situation die entsprechende Entscheidung zu treffen. Und das ist Aufgabe jedes Einzelnen. Selbstverantwortung eben. Trotzdem gebe ich Dir recht, unsere Gesellschaft besteht größtenteils aus Lemmingen. Jeder so wie er mag, auch das ist eine freie Entscheidung.

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      4. Das würde im Umkehrschluss bedeuten: die Medien liefern Informationen. Was davon aber wahr oder falsch ist, müssen wir selbst entscheiden. Ein gigantisch hoher Anspruch in Zeiten der Digitalisierung – aber ich gebe dir vollkommen Recht! Mit dem Wachstum der Medien (insbesondere der „Informationswasserhahn“ Internet) wachsen auch die Bedürfnisse und Ansprüche an unsere Gesellschaft. Wir, die Gründer von digital/anker, studieren ja Journalismus und bekommen schon oft zu spüren, dass diese Branche ständig im Wandel ist. Sich dann noch mit dem Vorwurf der „Lügenpresse“ auseinandersetzen zu müssen, ist für die junge Generation ein immenser Druck.

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      5. Ja, das mit dem Druck glaub ich gern. Da hilft nur: authentisch bleiben, der Intuition folgen und die Frage nach dem Sinn immer wieder stellen.
        Liebe Montagsgrüße

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      6. Ich glaube auch, dass Authentizität enorm wichtig ist. Hast du denn Vorschläge, wie man die wiedergewinnen kann als Journalist? Denn die Fülle an Informationen neigt zur Unglaubwürdigkeit…
        Liebe Grüße zurück! 🙂

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      7. „Denn wir lassen uns gerne berieseln.“
        und „Fesseln der Bequemlichkeit“. – Vielleicht sollten Sie da mal ansetzen. Ich lasse mich sehr ungerne berieseln, dazu ist mir meine Zeit zu schade, und fesseln lass ich mich auch nicht, schon gar nicht freiwillig.

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      8. Niemand wirft Ihnen vor sich von den Medien fesseln zu lassen! Aber, wie ich bereits sagte, ist es wichtig bei seiner eigenen Meinung zu erst anzusetzen. Ich befreie mich aus meinen Fesseln der Unmündigkeit, wenn ich über meinen Tellerrand hinaus gucke. Vielleicht heißt das ja bei Ihnen, sich mal eine Zeitung zu kaufen und konkret zu überlegen: Was ist hier schlecht und was nicht. Anstatt alles in eine Schublade zu stecken, oder?

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      9. Warum soll ich eine Zeitung kaufen? Ich kaufe generell nichts Zensiertes. Ich weiß aufgrund jahrelanger Erfahrung (bin ja schließlich nicht die Jüngste), dass die eh alle nur dasselbe schreiben, stellen Sie sich vor, ich kann tatsächlich lesen und Texte vergleichen, ich bin nicht ganz dumm, auch wenn Sie versuchen, mich so darzustellen. Meine Kritik beruht tatsächlich auf selbst gemachter Erfahrung.
        Alle Medien in Deutschland sind zensiert. Das ist Tatsache und keine Unterstellung von mir und hat auch nichts mit Schubladendenken zu tun. Das ist eine Unterstellung von Ihnen, die ich hiermit zurück weise!

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      10. So, hier muss ich auch nochmal was klarstellen:
        Niemals habe ich behauptet, dass Sie dumm seien. Ich nehme Sie gerade absolut für voll, sonst würde ich mich nicht um 21.47 an den Laptop setzen und hier moderieren. Ich denke, da sind wir uns ausnahmsweise einmal einig. Des Weiteren ist es wirklich interessant, dass sie alle Printmedien verurteilen, obwohl sie selbst keine in die Hand nehmen. Das lässt mich zweifeln…

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    2. Das stimmt: die Frage nach der Quelle wird oft übergangen. Wobei auch seriöse Quellen unwissentlich Falschheiten verbreiten. Ein seriöser Journalist, der Prof. Seralini mitsamt seinen Studien als wissenschaftlich neutrale und objektive Instanz betrachtet, hat sich bereits vor dessen ideologischen Karren spannen lassen.

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      1. Das ist wirklich eine große Gefahr und Problematik bei dem heutigen Journalismus. Durch das Netz sind Redaktionen angehalten immer schneller über Ereignisse zu berichten. Hier besteht die Gefahr, dass das ordentlich Prüfen von Quellen und das genaue Einordnen des Themas aufgrund des Zeitdrucks auf der Strecke bleibt. Mitschuld daran sind natürlich auch wir als Rezipienten, die die Informationen auch immer schneller haben wollen. Glaubst du eine Entschleunigung würde sowohl Journlisten und Lesern gleichermaßen gut tun ?

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  4. In der Tat, ein interessanter Beitrag. Das Verlinken unter meinem Beitrag zu Facebook fasse ich als Kompliment auf. Danke dafür. Falls ich das missverstanden haben sollte, bitte richtig stellen 😉

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    1. Das war in der Tat als Kompliment gemeint! 🙂 Beste Grüße!

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      1. Grüße zurück 😉

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  5. Nun ja, dem Einfluss von Medien kann man sich nie ganz entziehen, wenn man nicht rund um die Uhr im Keller bleibt und auf ein Stück Wand starrt.

    Ich denke, der Großteil der Menschen ist korrumpierbar, wenn sie mit Macht/Geld konfrontiert werden.

    Früher war die Massenproduktion und Verbreitung des geschriebenen Worts noch viel schwerer, daher gab es auch weniger „Medien“, aber die haben sich dafür mehr angestrengt.

    Heutzutage sind Medien so allgegenwärtig wie du schon beschrieben hast. Und die, die die Fäden bei uns ziehen, haben das Potenzial des Einflusses erkannt. Ein paar experimentierfreudige Journalisten sicher auch schon vorher. Und da dann wieder – fast jeder ist korrumpierbar. Geld – Macht – Druckmittel. Und so sind viele Journalisten, manche bewusster, manche weniger bewusst – zu den Handlangern dieser Leute geworden.

    Der eine schreibt vielleicht höchst tendenziös und lässt Fakten weg, die ihm nicht in dem Kram passen, weil er selbst eine sehr starke Überzeugung bei dem Thema hat und sich so über seine neutrale Aufklärerrolle als Journalist anmaßt, die Massen „belehren“ zu wollen, ein kleiner Demagoge zu werden.

    Der andere bekommt vielleicht nur den Auftrag vom Chef, zu einem bestimmten Thema nur so und so zu berichten, und stellt diesen Befehl nicht in Frage oder missachtet ihn nicht, weil er gegen den Pressekodex verstößt. Oder wird mit so viel Arbeit überhäuft, dass er deswegen unachtsam wird – und weiter sorgfältig zu arbeiten und dann offen zu sagen, „das hier geht nicht mehr, einfach nicht genug Zeit“, macht er lieber alles schnell, schnell, wobei die Sofgfalt natürlich leidet – Hauptsache der Chef ist zufrieden und der eigene Job ist sicher.

    Wieder ein anderer wird vielleicht ganz simpel mit Bestechung oder Kompromat dazu gebracht, seine Berichterstattung nicht mehr neutral zu machen.

    Alles in allem ist der ehrbare Journalismus heutzutage so gut wie tot. In den großen bekannten Medien definitiv vollständig. Da die Journalisten zu schwach, zu unaufmerksam waren, um sich gegen diese Tendenzen zu wehren bevor sie von ihnen gefangen genommen wurden, und sich dieser Prozess kaum einfach mal so eben umkehren lässt, sind in der heutigen Zeit wir, die Konsumenten der Medien, dazu angehalten, den Job teilweise zu übernehmen. Sich nicht nur dafür interessieren, was da geschrieben steht, sondern schauen wer es geschrieben hat und wer ihn (mit eventuellen Hintergedanken) finanziert hat. Zu einem Thema mehrere Beiträge aus verschiedenen Medien aus jedem „Lager“ der thematisierten Personen betrachten – und damit meine ich nicht mehrere aus dem deutschen Einheitsbrei, sondern z.B. auch ausländische Medien oder als „Spinner-“ oder „Verschwörungstheoretikermedien“ betrachtete. Keiner hat die ultimative Wahrheit ganz alleine, doch aus zwei in verschiedene Richtung tendenziösen Berichten lässt sich zumindest grob die „Mitte“ erahnen.

    Zum Schluss möchte ich noch kurz auf den eher traurigen Ausgang der Geschichte eingehen. „Der ist doch verrückt, nicht mehr bei Verstand!“. Szenen wie diese haben wir schon oft genug erlebt. Was ich aber auch erlebe, ist ein langsames, kollektives Aufwachen. Die Menschen durchschauen allmählich von selbst, dass an all dem irgendetwas gewaltig faul ist. Und dann gehen sie auf Antwortensuche – zu denen, die sie vorher als Spinner verschrien haben. Nun ja, besser spät als nie.

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    1. Vielen Dank für deine Mühe! Dieser Beitrag spricht im Grunde alle Punkte der Diskussion deutlich an. Sehr gut hast du zum Ausdruck gebracht, dass die verschiedenen Strukturen innerhalb der Medien so vielfältig und untransparent sind, dass man sie kaum noch hinterblicken kann.
      Dafür hast du ja zahlreiche Beispiele genannt. Wir, als Journalisten, nehmen das auch wahr! Und versuchen beispielsweise unsere Plattform so transparent, unabhängig und offen wie möglich für alle Nutzer zu halten.
      Mir stellt sich eine Frage:
      Es haben bereits viele Nutzer kommentiert, dass sie den Qualitätsjournalismus (im Sinne der Aufklärung) kaum oder gar nicht mehr vorfinden.
      Wo genau würdest du sagen, dass Journalismus kollektiv versagt? Gibt es denn wirklich gar keine verlässlichen Quellen mehr? Vielleicht gehen ja die wenigen guten Quellen in der Masse an Amateurjournalismus unter…

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      1. Wo der Journalismus kollektiv versagt – auch das ist schwer zu greifen oder in Worte zu fassen, weil es so viele Gründe hat oder haben kann, und ich sicherlich höchstens die Hälfte davon sehe.

        Das allergrundlegendste Problem, denke ich, ist nach wie vor der Mensch an sich. Menschen sind beeinflussbar – auch Journalisten.

        Und gerade, wenn ich sehe wie viele extrem junge Menschen (noch dazu in prekären Arbeitsverhältnissen) heute als Schreiberlinge bei den „etablierten“ großen Medien tätig sind, sehe ich eine Masse an Menschen, die tendenziell eine noch eher ungefestigte, noch leichter beeinflussbare Persönlichkeit/Weltbild/Überzeugungen haben und nur wenig Lebenserfahrungen. Es sind viele unreife Menschen darunter. (Um das nicht nur implizit zum Ausdruck zu bringen: Es finden sich darunter natürlich auch Menschen, die nicht meiner Beschreibung entsprechen – aber die stellen eben die absolute Minderheit).

        Was ich bereits angesprochen habe, ist der heute vorherrschende enorme Zeit- und Finanzdruck. Da wird lieber mal irgendwo per copy&paste abgeschrieben als selbst zu schreiben. Werden 1:1 die selben Quellen übernommen, die schon andere Medien angeführt haben, statt selbst nochmal recherchiert ob man nicht noch weitere findet. Heute ist keine Zeit mehr für gründliche Recherchen, und wenn doch, entscheidet der Chefredakteur was am Ende zu lesen ist und was nicht. Dass die Bild beispielsweise ganz offen von ihren Mitarbeitern eine grundsätzlich USA-freundliche Berichterstattung fordert, dürfte ja inzwischen bekannt sein. So offen sieht man das bei den anderen Zeitungen nicht, aber auch die stehen ihrerseits unter starkem Einfluss. Die Anstalt hat das mal thematisiert und mit harten Fakten untermauert: https://www.youtube.com/watch?v=3yITOi2jfGk

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      2. Mit dem Wachsen unserer Medien gehen auch immer neue Bedürfnisse einher. Der enorme Zeit und Finanzdruck steht den Gerechtwerden dieser Bedürfnisse leider im Weg. Die BILD als ein wichtiger Axel Springer Teil berichtet natürlich äußerst subjektiv.
        Hast du denn Ideen, wie Journalisten ihre Glaubwürdigkeit zurückgewinnen können?
        Ich denke da draußen sind viele Menschen mit einem tollen Potenzial.

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      3. Auch da kann ich dir als einzelner sicherlich keine ultimative Antwort geben, aber Ideen habe ich natürlich.

        Stärkere Transparenz ist eine davon. Es sollte offengelegt werden, was man selbst für eine Einstellung zu dem Thema hat, deutlich getrennt von der tatsächlichen Berichterstattung. Sollte die eigenen Finanzierungsquellen offenlegen. Sollte Quellen, auf die man sich bezieht, grundsätzlich nennen und auch die eigene Einschätzung deren Glaubwürdigkeit/Verlässlichkeit wiederum auf Basis deren Finanzierung (oder anderweitig: Motivation) direkt daneben nennen.

        Vielleicht sollten wir uns auch von dem Gedanken verabschieden, größere Institutionen zu nutzen, um die Arbeit von Journalisten zu bündeln und unter einer gewissen „Marke“, mit einer gewissen „Richtung“, zu veröffentlichen – die Zeitungsverlage, Fernsehsender, et cetera. Natürlich kann nicht jeder Journalist als Einzelkämpfer im Eigenverlag Drucksachen herausbringen, aber digital geht das schon heute – siehe uns mit unseren Blogs. Mein Wunschdenken dabei ist, dass die Masse der Medienkonsumenten wiederum via Mundpropaganda die Journalisten im eigenen Freundes-/Bekanntenkreis weiterempfiehlt, deren Arbeit sie als gut betrachtet. Einzelne Journalisten mit ähnlichen Ansichten können sich stärker untereinander vernetzen – aber eben informell.

        Der Hintergedanke ist der: In der Politik, wir mit unserem Parteiensystem und auch allgemein Lobby-Organisationen jedweder Art (auch die, die sich auf die Fahne geschrieben haben, Bürgern eine Stimme geben zu wollen), haben wir vom Wesen her ähnliche Probleme. Schon Rousseau hat gut erkannt: Gibt es Parteien oder ähnliche Organisationen, gibt es nicht mehr so viele Stimmen wie Wahlberechtigte, sondern nur noch so viele Stimmen wie Parteien/Organisationen. Denn Parteien sind Gleichmacher, das wird ja sogar von den etablierten Medien anerkannt, die immer mal wieder vom „Fraktionszwang“ sprechen. Analog sind auch Zeitungsverlage zu einem gewissen Grad Gleichmacher. Deshalb gilt es für mich, diese Art von Organisationen entweder ganz abzuschaffen, oder zumindest in viele kleine Teile zu zerschlagen, sodass wir durch so weniger abhängige Journalisten wieder mehr Chancen auf einen echten Meinungspluralismus in den Medien haben.

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      4. Die Vorschläge sind schon mal eine Maßnahme in Richtung Transparenz. Aber auch momentan gibt es schon Organisationen wie die KEK (Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich), die unsere Medienpolarisierung kontrollieren. Diese Organisation sind keinesfalls staatsfinanziert. Sie arbeiten im Dienst der Öffentlichkeit (GEZ-Beiträge).
        Dass zunehmend Journalisten selbstständig werden, denke ich auch. Dass es sich jedoch verhindern lässt, die verschiedenen Medien aus ihren Medienhäusern zu locken und anderweitig zu zersplittern. Das halte ich für unwahrscheinlich.

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      5. Das Problem ist: Ich habe von dieser Organisation bisher nicht mal was gehört. Die breite Masse ziemlich sicher ebenfalls nicht. Da können die noch so viel kontrollieren und Ergebnisse veröffentlichen wie sie wollen – kaum einer bekommt das mit. Und die Kritisierten machen im großen und ganzen unbeirrt so weiter.

        Zur Zerplitterung/Auflösung: Es wird früher oder später ganz natürlich passieren, wenn die großen Verlage ihren Kurs so weiterfahren. Der Konsument hat momentan leider halt nur die Möglichkeit, die ganze Zeitung durch Nichtkauf zu boykottieren, und so letzten Endes im Extremfall nicht nur die schlechten/beeinflussten Journalisten an die Luft setzt, sondern halt auch die paar guten Journalisten.

        Bei meiner Wunschvorstellung mit 100% solo arbeitenden und so unabhängigeren Journalisten kann der Konsument so differenzierter seine Meinung mit dem Geldbeutel kundtun, die Spreu vom Weizen trennen. Wer seine Arbeit gut macht, der wird durch Mundpropaganda bekannter, bekommt mehr Leser, die schlechten eben nicht.

        Zur Unterstützung der Selbstständigmachung könnte es eine Art staatliche Grundsicherung geben, nach Möglichkeit keine, die speziell nur für Journalisten ist, sondern die jedem zuteil wird – das bedingungslose Grundeinkommen. Denn würde man diese Grundsicherung selektiv nur Journalisten geben, die sich selbstständig machen wollen, stünde man auf staatlicher Seite vor vielen Fragen: Wie beurteilen und bemessen wir das? Wann ist jemand ein Journalist? Staatliche Akkreditierung? Woran sollte sich die Höhe der Grundsicherung bemessen? Am Bekanntheitsgrad absteigend (d.h. schon bekannte bekommen weniger Sicherung)? Wie bemisst man den Bekanntheitsgrad objektiv? Auf diese Fragen gibt es meines Erachtens gar keine objektiv richtige Antwort, es entsteht also ein Spielraum für staatliche Willkür – ein potenzielles Einfallstor für Leute, die dieses System wieder zerstören wollen, beispielsweise indem man „unbequemen“ Journalisten die Leistungen kürzt oder streicht.

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      6. Schade, dass nur so wenige Menschen etwas von Organisationen wie der KEK, der KEF oder der LMA (Landesmedienanstalt) wissen. Denn diese Organisationen arbeiten ziemlich genau auf Ihre Vorstellung hin! Da sollten sie nochmal recherchieren. Mir stellt sich vor allem die Frage: Wir können unabhängige Journalisten finanziert werden? Und vor allem: Wie wollen Sie die Qualität sichern, wenn jeder Journalist ein selbstständiges gewinnorientiertes Unternehmen ist?

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      7. Da brauche ich eigentlich gar nicht nochmal recherchieren – der Sachverhalt, dass kaum jemand diese Institutionen kennt, geschweige denn deren Publikationen liest, ändert sich dadurch ja nicht. Effektiv haben sie also keinen Einfluss. Das ändert sich auch nicht, wenn ich mir als einzelner diese Organisationen genauer ansehe.

        Die Frage, wie unabhängige Journalisten sich finanzieren können, habe ich ja schon in meinem letzten Kommentar angeschnitten, recht viel mehr gibt es von mir dazu auch nicht zu sagen. Zu deiner letzten Frage allerdings muss ich noch einmal etwas schreiben.

        Wie die Qualität sichern, wenn jeder ein selbstständiges gewinnorientiertes Unternehmen ist? Das Problem steckt für mich bereits in der Prämisse der Frage – dass die Leute gewinnorientiert arbeiten müssten. Gewinnorientiert arbeiten heißt für mich normalerweise, mehr herauszubekommen, als man investiert. Am Ende also eigentlich eine leicht parasitäre Tendenz. Ganz im Sinne des Zinsgeldsystems und des Märchens vom „ewigen Wachstum“ des modernen Kapitalismus.

        Ich bin der Meinung, Journalismus (wie auch staatliche Ämter) müssen ausschließlich dem Gemeinwohl dienen. Die Unkosten sollten vollständig gedeckt werden, aber das war’s. Wo wir hinkommen, wenn Journalisten beispielsweise nach Reichweite bezahlt werden (Werbung), sehen wir ja schon ganz gut an der heutigen Situation: Man wird dem Leser gefällig, schreibt, was dieser gerne lesen möchte. Nicht nur im Sinne der Themenwahl, sondern eben auch in der Art und Weise, und in welcher Richtung, über die Themen berichtet wird. Oder Clickbait. Alles in allem also alles Verschlechterungen der Qualität.

        Ein bedingungsloses Grundeinkommen sowie eine Grundbildung in journalistischer Arbeit/Fertigkeiten in der Schule für jeden Deutschen, denke ich, wäre das Ideal. Hauptberuflicher Journalismus, zumindest im Sinne von Berichterstattung, scheint mir unvereinbar mit dem heutigen System der Finanzierung der eigenen Existenz. Ein BGE würde das sicher mildern, aber auch das dürfte vermutlich nicht alles sein für einen akzeptabel hohen Lebensstandard. Wenn die Leute, denen wirklich am Journalismus/Schreiben allgemein gelegen ist, sich vielleicht noch als Buchautoren betätigen, sodass von da auch noch – neben dem BGE – etwas reinkommt? Das könnte vielleicht klappen.

        Aber letzten Endes weiß ich es nicht. Ich bin auch kein Erbsenzähler, ich könnte sowas nicht durchrechnen und dann sagen „ja, das haut rechnerisch hin“. Ich habe nur meine klare Meinung dazu, was in dem Bereich ethisch vertretbar ist und was nicht.

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      8. Keine Frage: die Thematik ist sehr undurchsichtig und schwer. Aber ich denke nicht, dass wir Journalisten lediglich mit den Grundkosten belohnen dürfen. Auch hier sollte ein entsprechender Verdienst angebracht sein. Genau da sehe ich nämlich die Problematik bei der ganzen Sache: ein Journalist, der selbstständig ist, der muss auch wie eine Firma agieren. Er muss seinen Lebensunterhalt bezahlen. Ist da denn nicht die Gefahr, dass jemand sagt: „Hey, ja klar, ich finanziere mich heimlich mit Werbung!“ nicht viel größer? Allgemein besteht schon ein gigantisches Finanzierungsproblem für Journalismus. Wie soll man sicherstellen, dass jeder Journalist wirklich unabhängig bleibt und nicht von Google, YouTube etc. unterstützt wird zu Datenzwecken? Der Sachverhalt ist äußerst schwierig…

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      9. Definitiv ein schwieriger Sachverhalt. Es ist ein Interessenskonflikt, bei dem beide Seiten eine klare Berechtigung haben.

        Meine Vorstellung ist ja auch eher eine Utopie, ein kaum genau so realisierbarer Idealismus, das weiß ich schon selbst. Die Realität wird vermutlich eine Abwägung sein, von beiden Seiten etwas.

        Doch selbst da dürfte/sollte es einen klaren Verhaltenskodex geben, eine Art selbstverständliche Mentalität: Wie darf sich ein Journalist finanzieren und wie nicht? Bücher schreiben – Reden halten – Werbung schalten – bezahlte Beiträge?

        Das, zusammen mit einer sich von jedem Journalisten als Selbstverständlichkeit selbst auferlegten Transparenz hinsichtlich der eigenen Finanzierung (so, dass die eigenen Leser sich dazu ihre eigene Meinung bilden können), würde den Journalisten alle Wege prinzipiell offen lassen, doch gleichzeitig dafür sorgen, dass problematische Finanzierungsmodelle keinen Erfolg haben – weil die Leser es ebenso wie andere Journalisten als unmoralisch ansehen und sich deutlich davon distanzieren würden.

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  6. […] den im Kommentar verlinkten Post zu Platons Höhlengleichnis und seiner Aktualität hin (auf dessen eigenen Blog veröffentlicht) habe ich dort mal reingelesen und ebenfalls […]

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    1. Wir möchten gerne alle Interessierten zu einer Diskussion einladen! Uns als angehenden Journalisten ist es wichtig zu wissen, was die Leute da draußen von Journalismus noch halten!

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  7. Ich hätte hier noch was.

    In dem Gespräch werden zwar auch aktuelle politische Themen angeschnitten, doch hauptsächlich geht es, wie der Titel schon sagt, um die Pressefreiheit und ganz allgemein über die Probleme der vierten Gewalt.

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    1. Vielen Dank für den Link. Du hast den Begriff „vierte Gewalt“ erwähnt. Denkst du denn, dass es sich um einen fälschlichen oder um einen berechtigten Ausspruch handelt?

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      1. Jein. Die Medien sind immer nur so mächtig, wie sie auch Glaubwürdigkeit bei der Bevölkerung haben. Es hängt also von ihrer momentanen Stellung und Beziehung zur Bevölkerung ab, ob man sie als vierte Gewalt bezeichnen kann oder nicht.

        Wobei auch das nochmal zu differenzieren ist; ein kleiner Resteinfluss bleibt immer, selbst wenn den Medien keiner mehr traut.

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      2. Sehr interessant! Ich denke auch, dass die Glaubwürdigkeit der Medien den Machtfaktor ausmacht. Medien können auf vielfältige Art und Weise die Politik beeinflussen. Das zeigt ja auch der Fall „Böhmermann“
        Hier ein interessanter Beitrag dazu: https://digitalanker.com/2016/04/26/darf-satire-wirklich-alles/

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